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Aus dem Gemeindebericht fĂĽr den Kirchlichen Besuchsdienst im Jahr 1999 - verfasst von Liselotte Kratz, der damaligen Vorsitzenden des Kirchenvorstands

Zur GrĂĽndung der eigenständigen Evangelischen Kirchengemeinde Wallmerod am                 01. Juli 1992 sollen einige Informationen ĂĽber die davor liegenden Jahre gegeben werden.

Bis 1965 haben die Gottesdienste für die evangelischen Christen in Wallmerod und den umliegenden Orten im Saal des dortigen Amtsgerichts stattgefunden. Als die katholische Kirche eine neue Kirche baute, bot sich für die Evangelischen die Gelegenheit, die katholische Kapelle für DM 45.000,- zu erwerben. Sie wurde im Sommer hergerichtet und zum Reformationsfest, dem 31. Oktober 1965, durch Oberkirchenrat Balz, Darmstadt, eingeweiht. Damit war sowohl den Katholiken wie auch den Evangelischen geholfen, brauchte die katholische Kir- chengemeinde nicht zwei Kirchen zu unterhalten, und die evangelischen Christen verfügen seitdem über eine schönes Gotteshaus. In einer Festschrift zum 110jährigen Jubiläum - am 25.06.1995 - der nun Christuskirche geheißenen ehemaligen katholischen Kapelle „Maria – Helferin der Christen“ ist die Entstehung und der Bau dieser kleinen im neugotischen Stil errichteten Kirche beschrieben.

Bereits einige Jahre vor der Gründung der jetzigen evangelischen Kirchengemeinde Wallmerod waren durch den damaligen Wirgeser Gemeindepfarrer Adolf Wengenroth Überlegung zur Errichtung einer Kirchengemeinde Wallmerod angestellt worden, mit detaillierten Ausführungen über die geographische Lage, Verkehrsverbindungen, Betreuung durch außerhalb der Verbandsgemeinde Wallmerod liegende Kirchengemeinde, die kommunale Orientierung und Zugehörigkeit, die Schulverhältnisse und vieles mehr. Diese im August 1980 entstandenen Pläne konnte man dann bei der im Jahre 1992 erfolgten Gründung der Kirchengemeinde zum großen Teil nutzen.

In den 80er Jahren hatte sich in Wallmerod eine kleiner Kreis von Evangelischen aus dem Bereich der zur Kirchengemeinde Hadamar gehörenden Orte Berod bei Wallmerod, Dreikirchen, Hundsangen, Molsberg, Obererbach, Steinefrenz, Weroth und Zehnhausen bei Wallmerod zusammengefunden, der zunächst aus Heranwachsenden und später als eine Art Bibelkreis bestand. Diese Treffen waren einmal im Monat infolge eines fehlenden Gemeinderaumes in einem Raum der örtlichen Gemeindeverwaltung. Es gelang dann 1989/90 in der gegenüber der Christuskirche liegenden Amts-Apotheke einen Raum zu mieten, in dem der Gemeindekreis seine Abende halten konnte. Man empfand zunehmend eine mangelnde Betreuung durch die damals zuständige Kirchengemeinde Hadamar. Die vom Gemeindekreis mehrfach vorgebrachten Bitten auf Abänderung fanden in einer Gemeindeversammlung am 12.02.1990 ihren Niederschlag. Für einige Monate – Anfang 1989 bis Mitte 1990 – versah ein Pfarrvikar den seelsorgerlichen Dienst und die Gottesdienste in der Christuskirche in Wallmerod. Leider verließ Pfarrvikar Heil uns sehr bald wieder, da er in den Schuldienst ging.

 Inzwischen hatte sieh durch einen Aufruf im Gemeindebrief Hadamar eine junge Frau gemeldet, die den Kindergottesdienst in dem angemieteten Raum der Amts-Apotheke hielt.

Durch den plötzlichen Weggang von Pfarrvikar Heil entstand eine Lücke, die in den darauf folgenden Monaten Enttäuschung und Unruhe hervorrief, hatten wir doch eine kurze Zeit den Beginn eines Gemeindelebens erfahren. So wandte sich der Gemeindekreis wiederum an die Kirchenleitung mit der Bitte um Einstellung eines Pfarrers.

Es war uns möglich geworden, einen Neubau ausfindig zu machen, der für eine Pfarrerwohnung und Gemeinderäume geeignet war.

Die Kirchengemeinde Hadamar stellte im FrĂĽhjahr 1992 den Antrag auf Teilung, nachdem mit Vertretern der verschiedenen Kirchengemeinden und Dekanatssynodalvorständen verhandelt worden war. 

So ergab sich im Gebiet der Verbandsgemeinde Wallmerod folgende Aufteilung:

Berod, Dreikirchen, Hundsangen, Molsberg, Obererbach, Steinefrenz, Wallmerod, Weroth und Zehnhausen aus der Evangelischen Kirchengemeinde Hadamar

Meudt- Dahlen aus der Evangelischen Kirchengemeinde Montabaur

Meudt-Ehringhausen, Meudt-Eisen, Meudt, Ettinghausen, Meudt, Niederahr, Oberahr aus der Evangelischen Kirchengemeinde Wirges

Elbingen und Hahn aus der Evangelischen Kirchengemeinde Wölferlingen

Bilkheim, Herschbach, Mähren und Salz aus der Evangelischen Kirchengemeinde Willmenrod.

Die genannten Orte wurden zur Evangelischen Kirchengemeinde Wallmerod zusammengeschlossen und gehören nun zum Dekanat Selters.

Diese Änderungen traten am 01.07.1992 in Kraft.

Zum 01. September 1992 konnte die Pfarrstelle besetzt werden. Herr Pfarrer Andreas Krone, der einige Jahre in Indien verbracht hatte, war nach Deutschland zurĂĽckgekehrt und wurde mit der Verwaltung der Pfarrstelle Wallmerod betraut.

Da fĂĽr die neu gebildete Kirchengemeinde noch kein Kirchenvorstand vorhanden war, wurde ein Verwaltungsrat eingesetzt, der sich  zunächst um die Möblierung des inzwischen angemieteten Pfarr- und Gemeindehauses kĂĽmmerte. Bis wir eigenes Mobiliar und KĂĽchengeräte geliefert bekamen, half uns die örtliche Gemeindeverwaltung mit dem Notwendigen aus.

Die Arbeit des Verwaltungsrates endete mit der ersten Kirchenvorstandswahl am 24. April 1994.

Da die Pfarrwohnung und die Gemeinderäume für einen Zeitraum von zehn Jahren angemietet wurden, ergab sich schnell die Überlegung, eigene Räume zu schaffen. Im Oktober /November 1994 beschloss der Kirchenvorstand, sich an den Baufond II für Nord-Nassau wegen eines Zuschusses zum Aufbringen der Eigenmittel für die kirchliche Bausparkasse zu wenden.

Am 14.12.1994 konnte ein Grundstück im Neubaugebiet der Gemeinde Wallmerod erworben werden, das die Diözese Limburg im Tausch gegen ein Grundstück in Frankenberg a. d. Eder an uns verkaufte.

Inzwischen hat der Bauauschuß der Kirchensynode der Evangelischen Kirche in Hessen Nassau, nachdem die Eigenmittel aufgebracht sind und die Zuteilung aus der kirchlichen Bausparkasse erfolgt ist, die Planungsfreigabe erteilt und die Bauabteilung der Kirchenverwaltung die Voraussetzungen zum Bau eines Pfarr- und Gemeindehauses geschaffen, welches voraussichtlich in der zweiten Hälfte des Jahres 1999 in Fertigbauweise erstellt wird.

Nachdem in der Zeit des Verwaltungsrates die äußeren Voraussetzungen für ein Gemeindeleben. geschaffen worden waren, begann für den gewählten Kirchenvorstand die eigentliche Arbeit des Gemeindeaufbaus. Die Schwierigkeiten für eine Kirchengemeinde in der Diaspora – 90% der Bevölkerung ist katholisch – und mit den Entfernungen der insgesamt 22 Dörfer zeigten sich deutlich.

Aber der Kirchenvorstand und einige engagierte Gemeindeglieder stellten sich allen Aufgaben sehr positiv.

So wurden verschiedene Unternehmungen geplant und durchgefĂĽhrt, wie z. B. Basare und Hilfsaktionen fĂĽr Indien und Afrika.

Auch innerhalb der Gemeinde ergaben sich regelmäßige Aktivitäten: Gemein- dekreis, Bibelkreise, Chor, Bildung einer Kindergruppe, Handarbeits- und Ba- stelkreis.

Außerdem fand anlässlich der 110-Jahr-Feier der Kirche ein Gemeindefest statt.

Auf ökumenischer Basis wurde der Weltgebetstag fĂĽr Frauen wechselweise in unserer oder in einer katholischen Kirche gefeiert. DarĂĽber hinaus bestand ein kleiner Arbeitskreis mit der katholischen Pfarrei Salz. 

Im Laufe der Zeit ergaben sich allerdings erhebliche Spannungen zwischen aktiven Gemeindegliedern, Kirchenvorstand und dem amtierenden Pfarrer. Im Zuge dieser Entwicklung gingen die genannten Aktivitäten spürbar zurück und mussten z. T. mangels Beteiligung eingestellt werden.

Mit Wirkung vom 1.8.1996 schied Pfarrer Krone aus der von ihm verwalteten Pfarrstelle Wallmerod aus. Der Kirchenvorstand konnte die Pfarrstelle neu ausschreiben.

Am 16.12.1996 übernahm das Pfarrerehepaar Meissner, Pfarrerin Heike Meissner und Pfarrer Heinrich Meissner, die Pfarrstelle Wallmerod je zur Hälfte. Seit dieser Zeit lässt sich in unserer Gemeinde ein deutlicher Aufschwung des Gemeindelebens feststellen, der sich nicht zuletzt in den steigenden Besucherzahlen des sonntäglichen Gottesdienstes niederschlägt. Der Konfirmandenunterricht wird von Frau Pfarrerin Meissner trotz ihres bestehenden Erziehungsurlaubs gehalten.

Die Resonanz der Konfirmanden und ihrer Angehörigen ist äußerst positiv, was der Kirchenvorstand in Anbetracht der zurückliegenden schwierigen Jahre mit besonderer Freude und Genugtuung feststellt.

Wallmerod und Weroth, den 17. Mai 1999

(Liselotte Kratz) Vorsitzende des Kirchenvorstands